Aufschlag und Marge richtig berechnen – und den Break-even-Punkt finden
Rechner für Aufschlag, Marge und Break-even-Punkt – Excel-Vorlage — Kostenlos herunterladen →
„Wir rechnen mit 50 % Marge“ – und dann wird auf den Einkaufspreis die Hälfte draufgeschlagen. Das ist einer der teuersten Rechenfehler im Handel, denn 50 % Aufschlag ergeben nur 33,3 % Marge. Wer das verwechselt, kalkuliert jeden Artikel zu knapp.
In diesem Artikel klären wir den Unterschied, rechnen einen Verkaufspreis inklusive Mehrwertsteuer durch und bestimmen den Break-even-Punkt: die Menge, ab der Sie keinen Verlust mehr machen. Alle Formeln funktionieren in jeder Excel-Version.
Aufschlag und Marge: der Unterschied
- Aufschlag wird auf die Kosten bezogen: (Preis − Kosten) / Kosten.
- Marge wird auf den Verkaufspreis bezogen: (Preis − Kosten) / Preis.
Beispiel: Ein Artikel kostet im Einkauf 20 EUR netto und wird für 30 EUR netto verkauft. Der Gewinn pro Stück beträgt 10 EUR. Aufschlag: 10 / 20 = 50 %. Marge: 10 / 30 = 33,3 %.
| Aufschlag | entspricht Marge |
|---|---|
| 25 % | 20,0 % |
| 50 % | 33,3 % |
| 100 % | 50,0 % |
| 150 % | 60,0 % |
Umrechnen lässt es sich mit zwei kurzen Formeln: Marge = Aufschlag / (1 + Aufschlag) und Aufschlag = Marge / (1 − Marge).
Verkaufspreis kalkulieren
Wichtig ist, alle Kosten pro Stück einzubeziehen, nicht nur den Einkaufspreis: Versand, Verpackung, Zahlungs- oder Plattformgebühren. Nehmen wir an, zum Einkauf von 20 EUR kommen 2 EUR Zusatzkosten. Die Kosten betragen also 22 EUR.
Vom Aufschlag aus: Preis netto = Kosten × (1 + Aufschlag). Bei 50 %: 22 × 1,5 = 33,00 EUR.
Von der Marge aus: Preis netto = Kosten / (1 − Marge). Für 40 % Marge: 22 / 0,6 = 36,67 EUR.
Die Mehrwertsteuer kommt erst danach dazu. In Deutschland mit 19 %: 33,00 × 1,19 = 39,27 EUR brutto. In Österreich (20 %) und der Schweiz (8,1 %) setzen Sie den jeweiligen Satz ein. Viele runden dann auf einen „schönen“ Preis wie 39,90 EUR.
In Excel, mit Kosten in B2, Aufschlag in C2 und MwSt.-Satz in $F$1:
=AUFRUNDEN(B2*(1+C2)*(1+$F$1)/0,1;0)*0,1
Damit wird der Bruttopreis auf volle 10 Cent aufgerundet. Den tatsächlichen Aufschlag nach der Rundung prüfen Sie rückwärts: =(D2/(1+$F$1)-B2)/B2.
Achtung bei Einkaufspreisen mit Mehrwertsteuer: Sind Sie vorsteuerabzugsberechtigt, rechnen Sie den Einkauf immer netto. Kleinunternehmer ohne Vorsteuerabzug kalkulieren dagegen mit dem Bruttoeinkauf, weil die Steuer für sie echte Kosten ist.
Break-even-Punkt berechnen
Der Break-even-Punkt ist die Absatzmenge, bei der der Umsatz alle Kosten deckt:
Break-even (Stück) = Fixkosten / (Preis − variable Kosten pro Stück)
Die Differenz im Nenner heißt Deckungsbeitrag. Beispiel: Ein kleiner Onlineshop hat 3.000 EUR Fixkosten im Monat (Miete Lager, Software, eigenes Gehalt). Preis netto 33 EUR, variable Kosten 22 EUR, Deckungsbeitrag 11 EUR.
3.000 / 11 ≈ 273 Stück pro Monat, also rund 9.000 EUR Nettoumsatz. In Excel: =AUFRUNDEN(B10/(B11-B12);0).
Die Sicherheitsspanne zeigt, wie weit Sie über dem Break-even liegen. Verkaufen Sie 350 Stück: (350 − 273) / 350 ≈ 22 %. Bis zu diesem Absatzrückgang bleiben Sie in der Gewinnzone.
Sensitivität: Was passiert, wenn …
Spielen Sie Preis und Absatz durch. Hebt der Shop den Preis um 2 EUR auf 35 EUR, steigt der Deckungsbeitrag auf 13 EUR und der Break-even sinkt auf 231 Stück. Ein kleiner Preisschritt verändert die nötige Menge also erheblich. Eine einfache Tabelle mit Preisen in den Zeilen und Absatzmengen in den Spalten macht das sichtbar.
Häufige Fehler
- Aufschlag und Marge vermischen, besonders wenn Lieferanten, Steuerberater und Team unterschiedliche Begriffe verwenden.
- Zusatzkosten vergessen. Versand und Gebühren fressen bei günstigen Artikeln schnell die halbe Marge.
- Mehrwertsteuer in die Marge einrechnen. Die Steuer gehört dem Finanzamt, nicht Ihnen.
- Break-even nur einmal rechnen. Sobald Miete oder Einkaufspreise steigen, verschiebt er sich.
Fertige Vorlage: Rechner für Aufschlag, Marge und Break-even
Unsere kostenlose Excel-Vorlage nimmt Ihnen diese Rechnungen ab:
- Auf dem Blatt „Parameter“ wählen Sie, ob vom Aufschlag oder von der Marge gerechnet wird, legen MwSt.-Satz, Rundungsstufe und Mindestmarge fest. Ein Spickzettel Aufschlag ↔ Marge ist gleich dabei.
- Das Blatt „Aufschlag und Marge“ kalkuliert bis zu 100 Artikel: Einkauf, MwSt., Zusatzkosten pro Einheit und gewünschter Prozentsatz ergeben Verkaufspreis, tatsächlichen Aufschlag, Marge und Gewinn pro Einheit.
- Auf dem Blatt „Break-even“ berechnen Sie aus Fixkosten, Preis und variablen Kosten den Break-even-Punkt in Stück und Umsatz sowie die Sicherheitsspanne. Zwei Sensitivitätstabellen und ein Diagramm zeigen, wie Absatz und Preis das Ergebnis beeinflussen.
Die Datei läuft ohne Makros in Excel 2007 und neuer sowie in LibreOffice. Im Paket sind eine leere Tabelle und ein ausgefülltes Beispiel. Prüfen Sie den hinterlegten MwSt.-Satz vor dem Start anhand der für Sie geltenden Vorschriften.
Häufige Fragen
Welche Marge ist „normal“?
Das hängt stark von der Branche ab. Lebensmittelhandel arbeitet mit niedrigen Margen und hohen Mengen, Mode oder Handgemachtes mit deutlich höheren. Entscheidend ist nicht ein Richtwert, sondern ob Ihre Marge die Fixkosten bei realistischem Absatz deckt.
Wie berechne ich den Break-even für ein ganzes Sortiment?
Nehmen Sie einen durchschnittlichen Bon: durchschnittlicher Verkaufspreis und durchschnittliche variable Kosten pro Verkauf. Das ist eine Näherung, aber für die Planung meist ausreichend.
Sollte ich vom Aufschlag oder von der Marge aus kalkulieren?
Im Handel mit festen Einkaufspreisen ist der Aufschlag bequemer. Wer seine Ziele in Prozent vom Umsatz denkt, etwa für Rabattaktionen, rechnet besser von der Marge aus. Wichtig ist nur, sich auf eine Methode festzulegen.
Zählt mein eigenes Gehalt zu den Fixkosten?
Ja. Wer es weglässt, erreicht zwar früher den Break-even, arbeitet dann aber faktisch umsonst. Setzen Sie einen realistischen Unternehmerlohn an.
KHIZHNYAKOV