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Preise für Handgemachtes kalkulieren: Selbstkosten, Stundenlohn, Gewinn

Handmade-Werkstatt: Selbstkosten, Aufträge und Gewinn – Excel-Vorlage — Zur Vorlage →

Die häufigste Preisformel im Kunsthandwerk lautet: Material mal zwei. Das fühlt sich fair an, ist aber fast immer zu niedrig. Denn die Stunden, die in einer Kerze, einem Paar Socken oder einer Keramikschale stecken, tauchen darin gar nicht auf. Wer so rechnet, arbeitet oft für wenige Euro pro Stunde – oder legt sogar drauf.

In diesem Artikel kalkulieren wir einen Preis Schritt für Schritt: mit Material, Arbeitszeit, Nebenkosten und Aufschlag. Danach zeige ich, wie Sie Aufträge und offene Zahlungen in Excel im Blick behalten und erkennen, welche Produkte sich wirklich lohnen.

Schritt 1: Materialkosten pro Stück

Rechnen Sie jedes Material auf ein Stück herunter. Beispiel Sojawachskerze im Glas:

MaterialEinkaufpro Kerze
Sojawachs1 kg für 12,00 EUR, 200 g pro Kerze2,40 EUR
Docht100 Stück für 15,00 EUR0,15 EUR
Duftöl100 ml für 24,00 EUR, 5 ml pro Kerze1,20 EUR
Glas mit Deckel12 Stück für 21,60 EUR1,80 EUR
Summe5,55 EUR

In Excel ist das immer dieselbe Rechnung: Packungspreis / Packungsmenge × Verbrauch, etwa =B2/C2*D2.

Schritt 2: Arbeitszeit ehrlich bewerten

Messen Sie, wie lange ein Stück wirklich dauert, inklusive Vorbereitung, Aufräumen, Fotografieren und Verpacken. Bei Kerzen in Serie sind es vielleicht 20 Minuten pro Stück.

Dann brauchen Sie einen Stundensatz. Fragen Sie sich: Was müsste ich verdienen, damit sich die Arbeit lohnt? 20 EUR pro Stunde sind für Handwerk bescheiden angesetzt, denn davon gehen noch Steuern, Versicherungen und unbezahlte Zeit für Marketing und Buchhaltung ab.

20 Minuten × 20 EUR/Stunde = 6,67 EUR Arbeitskosten.

Schritt 3: Sonstige Kosten

Dazu kommen Verpackung, Etiketten, anteilige Plattform- und Zahlungsgebühren, Marktstandmiete. Für die Kerze setzen wir 0,80 EUR an.

Selbstkosten = Material + Stunden × Stundensatz + Sonstiges

= 5,55 + 6,67 + 0,80 = 13,02 EUR

In Excel: =B5+C5*$B$1+D5, mit dem Stundensatz in $B$1.

Schritt 4: Aufschlag und Verkaufspreis

Auf die Selbstkosten kommt ein Aufschlag. Er ist Ihr eigentlicher Gewinn als Unternehmen – für Ausfälle, neue Werkzeuge, Rabattaktionen und Wachstum. Bei 50 % Aufschlag:

13,02 × 1,5 = 19,53 EUR, gerundet 19,90 EUR.

Vergleichen Sie mit „Material mal zwei“: 11,10 EUR. Die Differenz von fast neun Euro pro Kerze ist Ihr Stundenlohn, den die einfache Formel verschenkt.

Wenn Sie umsatzsteuerpflichtig sind, kommt die Mehrwertsteuer noch obendrauf. Als Kleinunternehmer entfällt sie. Klären Sie Ihre Situation mit einem Steuerberater.

Schritt 5: Aufträge und Zahlungen verfolgen

Sobald Bestellungen über Instagram, Märkte und Shop hereinkommen, wird es unübersichtlich. Eine einfache Auftragsliste hilft: Datum, Kunde, Produkt, Menge, Frist, Status, bezahlt. Den Preis holt SVERWEIS aus der Produkttabelle:

=SVERWEIS(C2;Produkte!A:G;7;FALSCH)*D2

Der offene Betrag ist Summe minus bezahlt, der Gewinn pro Auftrag ist Summe minus Selbstkosten × Menge. Mit SUMMEWENN je Produkt sehen Sie nach ein paar Monaten, welche Artikel viel Umsatz, aber wenig Gewinn bringen.

Häufige Fehler

  • Die eigene Zeit nicht bezahlen. Der Klassiker – und der Grund, warum viele Kreative nach einem Jahr ausgebrannt aufhören.
  • Nur die Herstellungszeit zählen. Fotos, Produkttexte, Kundennachrichten und Versand kosten oft genauso viel Zeit.
  • Preise am Billigsten orientieren. Industrieware ist kein Maßstab für Handgemachtes. Kunden zahlen für Einzigartigkeit und Qualität.
  • Gebühren vergessen. Plattformen und Zahlungsdienste behalten einen Teil jedes Verkaufs ein.
  • Rabatte ohne Rechnung. 20 % Rabatt auf einen Preis mit 50 % Aufschlag halbieren den Gewinn ungefähr.

Fertige Vorlage: Handmade-Werkstatt

Unsere kostenpflichtige Excel-Vorlage ist genau für diese Fragen gebaut:

  • Auf dem Blatt „Parameter“ legen Sie Stundensatz, Aufschlag und Berichtsdatum fest.
  • Im Blatt „Produkte“ kalkulieren Sie bis zu 40 Produkte aus Material, Stunden und Sonstigem. Selbstkosten, empfohlener Preis und Aufschlag werden automatisch berechnet. Wenn Sie einen eigenen Preis angeben, wird dieser in den Aufträgen verwendet und der Aufschlag neu berechnet.
  • Das Blatt „Aufträge“ fasst bis zu 500 Aufträge mit Kunde, Produkt, Frist, Status und Zahlung. Summe, offener Betrag und Gewinn rechnet die Tabelle selbst.
  • Die „Übersicht“ zeigt Umsatz, Gewinn, offene Beträge sowie Verkäufe und Gewinn nach Produkten mit Diagramm.

Steuern berücksichtigt die Vorlage nicht automatisch – diese und Plattformgebühren rechnen Sie in die sonstigen Kosten oder den Preis ein. Die Datei funktioniert ohne Makros in Excel 2007 und neuer sowie in LibreOffice. Im Paket sind eine leere Tabelle und ein Beispiel mit fiktiven Daten.

Häufige Fragen

Was, wenn mein kalkulierter Preis zu hoch für den Markt ist?

Dann gibt es drei Stellschrauben: schneller produzieren (Serien statt Einzelstücke), günstigeres Material in größeren Mengen einkaufen oder ein anderes Publikum ansprechen. Den eigenen Stundensatz zu senken, sollte die letzte Option sein.

Brauche ich unterschiedliche Preise für Markt und Onlineshop?

Viele arbeiten mit einem einheitlichen Endpreis, damit Kunden nicht verwirrt sind. Die unterschiedlichen Kosten – Standmiete hier, Versand und Gebühren dort – sollten aber in beiden Fällen gedeckt sein.

Wie kalkuliere ich Einzelanfertigungen?

Schätzen Sie die Stunden großzügig und vereinbaren Sie den Preis vorab. Bei größeren Aufträgen ist eine Anzahlung üblich, damit Material und Zeit gesichert sind.

Lohnt sich Großhandel an Läden?

Läden erwarten meist einen deutlichen Rabatt auf den Endpreis. Das funktioniert nur, wenn Ihr Endpreis von Anfang an genug Spielraum enthält – ein weiterer Grund für eine ehrliche Kalkulation.

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